„Wagenknechts Austritt ist eine Befreiung“
Oberbergs Linken-Sprecher Jan Köstering
Interview | Radevormwald/Hückeswagen · Bislang gebe es im Kreis keine Übertritte zur neuen Partei, erklärt Jan Köstering, Sprecher der Partei „Die Linke“ im Oberbergischen. Er sieht nun die Chance, sich ohne innere Konflikte wieder auf soziale Politik zu konzentrieren.
Herr Köstering, wie wird im Kreisverband der Linken die Ankündigung von Sahra Wagenknecht aufgenommen?
Jan Köstering Wir empfinden das als eine Art Befreiung nach einer jahrelangen Hängepartie. Ihr Bruch mit der Partei war ja längst schon da, er musste nur noch formell vollzogen werden.
Haben aus Ihrem Kreisverband bereits Mitglieder angekündigt, zum Bündnis Sahra Wagenknecht zu wechseln?
Köstering Nach meinem Wissensstand gibt es derzeit keine Austritte. Aus anderen Verbänden der Linke in NRW hören wird sogar, dass es nach der Ankündigung von Frau Wagenknecht vermehrt Eintritte gibt. Man muss allerdings einräumen, dass wir in den vergangenen Jahren durch diesen parteiinternen Konflikt viele Mitglieder verloren haben.
Was wird das für Ihre Partei bedeuten? Viele sehen ja schon das Ende der Linken gekommen.
Köstering Das sehe ich nicht so. Ich bin vielmehr überzeugt, dass wir nun die Möglichkeit haben, ohne die Belastung durch diesen Konflikt Politik für die Menschen zu machen, die von anderen Parteien vernachlässigt werden, für die Abgehängten in dieser Gesellschaft. Und zwar ohne Populismus und rechtsoffene Thesen.
Ihr Kreisverband hatte bereits vor einem Jahr eine Art Brandbrief veröffentlicht.
Köstering Ja, weil die Situation untragbar wurde. Sahra Wagenknecht hat öffentlich Positionen vertreten, die völlig konträr zu den Beschlüssen der Partei standen, zum Beispiel was den Ukrainekrieg betrifft.
Glauben Sie, dass das neu gegründete Bündnis von Sahra Wagenknecht der große Erfolg wird, den viele nun vorhersagen?
Köstering Ich erinnere mich noch an die Initiative „Aufstehen“, die Sahra Wagenknecht vor einigen Jahren ins Leben gerufen hatte. Auch da haben viele geglaubt, das würde eine große politische Bewegung werden. Das Ganze ist dann rasch verpufft. Ich kann nur sagen: Wir als „Die Linke“ brauchen keinen Millionär als Schatzmeister, und wir müssen nicht um Spenden von Unternehmen betteln. Wir bleiben unabhängig.
