Wahlkampf geht auch ganz unaufgeregt
Hückeswagen · Was bundesweit aktuell die großen politischen Themen sind, bestimmt auch die Debatte im ländlichen Raum. Das zeigte die Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie zur Bundestagswahl. Sechs Direktkandidaten präsentierten sich am Mittwochabend im rappelvoll besetzten Saal des Kolpinghauses.
Katharina Klintworth zeigte sich als Vorsitzende der Kolpingsfamilie „überwältigt von so viel Resonanz“: Es mussten am Mittwochabend noch Stühle herangeschafft werden, damit alle Platz fanden im Saal. Das lag auch daran, dass die Direktkandidaten ihre jeweils eigene Anhängerschaft aus den Ortsvereinen der Parteien mitgebracht hatten. Nur Jan Köstering musste ohne diese „Rückendeckung“ auskommen – die Linke hat keinen Ortsverein in Hückeswagen. Als Moderator hatte die Kolpingsfamilie den WDR-Journalisten Ingo Lamberty gewinnen können, der locker aber konzentriert durch die mehr als zweistündige Veranstaltung führte.
Am Ende dankte Lamberty für eine „tolle Diskussion und den respektvollen Umgang“. Tatsächlich unterschied sich diese Wahlkampf-Auseinandersetzung der oberbergischen Direktkandidaten angenehm von den Zumutungen politischer Rhetorik bei und nach den denkwürdigen Debatten der vorigen Woche im Deutschen Bundestag. Im Kolpingsaal wurde Wahlkampf der unaufgeregten Art gemacht, ohne peinliche Pöbeleien und ideologische Unterstellungen.
Dabei ging's um die gleichen Themen, die gerade auch bundesweit im Mittelpunkt stehen, allen voran Migration und Wirtschaftspolitik. Gleich zu Beginn kam die Frage aus dem Publikum an den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Brodesser, wie er persönlich zu den heiß umstrittenen Abstimmungen der vorigen Woche steht: „Haben Sie einen Fehler gemacht, Ihren Antrag mit der AfD gegen die demokratische Mitte durchzusetzen?“ Brodesser antwortete wie sein Bundesvorsitzender Friedrich Merz: „Wir sollten lieber über die Inhalte des Antrags reden als über die Art der Abstimmung.“
Widerspruch kam von Pascal Reinhardt (SPD). Er verwies darauf, dass es in den Vorstellungen von CDU und SPD zur Migrationspolitik gemeinsame Schnittmengen gebe, durchaus aber auch unterschiedliche Positionen. Unabhängig von den Inhalten des CDU-Antrags betonte Sabine Grützmacher als Bundestagsabgeordnete der Grünen: „Diese Abstimmung war kein normaler Vorgang.“ Dass es danach Austritte aus der CDU gegeben habe, unter anderem von so prominenten Mitgliedern wie Michel Friedman, und dass ein Opfer des Holocaust deswegen das Bundesverdienstkreuz zurückgegeben habe, „gibt mir sehr zu denken“. So wertete es auch Jan Köstering für die Linken: „Merz hat es geschafft, noch vor der Wahl zum Kanzler sein Versprechen in Bezug auf die AfD zu brechen.“
