Bundestag hautnah: Praktikumsbericht einer Genossin
Mein Praktikum absolvierte ich im Bundestag im Abgeordnetenbüro von Jan Köstering, einem Mitglied des Deutschen Bundestags (MdB) bei der Fraktion „Die Linke“. Dabei unterstützte ich im Wesentlichen die wissenschaftlichen Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit, mit dem Fokus auf Themen des Innen- und Verteidigungsausschusses. Mein Praktikum ging sechs Wochen, mit einer Unterbrechung von zwei sitzungsfreien Wochen.
Bundestag hautnah: Praktikumsbericht einer Genossin
Mein Praktikum absolvierte ich im Bundestag im Abgeordnetenbüro von Jan Köstering, einem Mitglied des Deutschen Bundestags (MdB) bei der Fraktion „Die Linke“. Dabei unterstützte ich im Wesentlichen die wissenschaftlichen Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit, mit dem Fokus auf Themen des Innen- und Verteidigungsausschusses. Mein Praktikum ging sechs Wochen, mit einer Unterbrechung von zwei sitzungsfreien Wochen.
Im Dezember hatte ich mich kurzfristig bei unterschiedlichen Abgeordneten der Fraktion „Die Linke“ des Bundestags und bei Abgeordneten der Linken im Abgeordnetenhaus von Berlin beworben. Jan Köstering meldete sich als Erster zurück, das Bewerbungsverfahren erwies sich als unkompliziert. Die Partei „Die Linke“ hatte mich in den letzten Jahren vermehrt überzeugt, sei es in ihrem Auftreten zu Antifaschismus oder zu Themen sozialer Gerechtigkeit und Bezahlbarkeit. Von dem Praktikum erhoffte ich mir, neue Perspektiven für mögliche Berufswege und meine persönliche politische Weiterbildung zu erhalten. Durch mein Studium hatte ich schon etwas Vorwissen über die politischen Abläufe im Bundestag, über geschichtliche Hintergründe einzelner Themen außenpolitischer und innerpolitischer Art, sowie über soziale Themen wie Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Vor allem aber halfen mir Vorerfahrungen im Fachschaftsrat, dem Beiwohnen von Studierenden-Parlament Sitzungen und Plena von politischen Organisationen.
Jan Köstering vertritt die Interessen der Fraktion im Innen- und Verteidigungsausschuss. In dem Büro arbeiten neben dem Abgeordneten (MdB) noch zwei Wissenschaftliche Mitarbeiter, zwei Social-Media Beauftragte, ein zuständiger Mitarbeiter für Podcasts und eine Büroleitung. Die Abgeordneten und Mitarbeitenden arbeiten zusätzlich mit Referenten*innen zusammen.
In meiner Arbeit habe ich vor allem die wissenschaftlichen Mitarbeiter unterstützt, sei es beim Verfassen von Reden, Pressemitteilungen, PowerPoint-Präsentationen oder Kleinen/schriftlichen/mündlichen Anfragen an die Bundesregierung sowie an Veranstaltungen und Sitzungen mitteilgenommen. Das Ziel der wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, den Abgeordneten bei seiner Arbeit zu unterstützen und durch Expertise die Inhalte zu perfektionieren. Auch geht es um die inhaltliche Vermittlung nach Außen, sei es durch Reden, außerparlamentarische Auftritte oder Besuchergruppen im Bundestag.
Der Fokus meines Praktikums lag vor allem auf Themen der inneren Sicherheit, wie Datenschutz, kritische Infrastruktur, Bundeswehr und -polizei. Auch ging es um Organisierte Kriminalität, Rechtsextremismus und Antifaschismus. In meiner Zeit arbeitete ich an Kleinen Anfragen zu Palantir und dem Verein „Zentrum – die alternative Gewerkschaft e.V.“, einer PowerPoint-Präsentation zu Palantir, Reden, Pressemitteilungen und dem Newsletter. Dabei arbeiteten wir auch des Öfteren mit anderen MdB-Büros gemeinsam an Projekten und Themen.
Mein konkreter Arbeitsalltag gestaltete sich sehr vielschichtig. Standardgemäß ging mein Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr, meist variierte dieser jedoch stark, da in Sitzungswochen abends Fraktionssitzungen oder andere interessante Veranstaltungen stattfanden.
In sitzungsfreien Wochen arbeitete ich viel im Büro, wurde von den wissenschaftlichen Mitarbeitern in Arbeitsprozesse eingewiesen oder nahm an Workshops teil.
In fand die Fraktionssitzung und den Innenausschuss am interessantesten, weil dort viel diskutiert wurde und man hinter die Fassaden der Abgeordneten und Fraktionen blicken konnte. Außerdem lernte ich bei diesen Sitzungen am meisten Inhaltliches, da man dort auch Input von externen Personen bekam.
In meinem Praktikum wurde ich in meiner Auffassung bestärkt, dass es nicht eine Form des politisch links seins gibt, sondern dass es wichtig ist, Widersprüche auszudiskutieren und sich trotzdem auf gewisse Grundsätze wie Menschlichkeit, Soziale Gerechtigkeit und Antifaschismus zu einigen. Ich erlangte viel neues Wissen über aktuelle politische Realitäten in den USA, Venezuela, Iran, Syrien, aber auch über die reale Umsetzung von sozialer Gerechtigkeit, und über die Gefahren, die von der Einführung der neuen Grundsicherung, der GEAS-Reform sowie dem Aufstieg des Rechtsextremismus ausgehen. Dieses Wissen wird mich nachhaltig prägen und in meinem zukünftigen Schaffen begleiten.
Dazu konnte ich zahlreiche neue fachliche und praktische Kenntnisse erwerben. Besonders hilfreich war ein vertieftes Verständnis vom Bundestag als Institution und seiner Rolle innerhalb des politischen Systems Deutschlands. Durch die Mitarbeit im Büro und die Beobachtung parlamentarischer Prozesse erhielt ich einen konkreten Einblick in die Abläufe innerhalb des Parlaments sowie in die organisatorischen und politischen Strukturen, die hinter parlamentarischen Entscheidungen stehen, beispielsweise das Verfassen von Reden oder Anträgen. Besonders deutlich wurde für mich, dass parlamentarische Arbeit nicht ausschließlich aus öffentlichen Debatten und politischen Positionierungen besteht, sondern zu einem großen Teil aus Hintergrundarbeit, organisatorischen und bürokratischen Abläufen. Viele politische Entscheidungen werden durch interne Abstimmungen und umfangreiche Recherchen vorbereitet. Darüber hinaus konnte ich meine Recherchekompetenzen sowie mein wissenschaftliches Arbeiten verbessern, etwa beim Verfassen von Kleinen Anfragen.
Auch habe ich ein besseres Verständnis von den Möglichkeiten parlamentarischer Arbeit bei der Bekämpfung von Faschismus erlangt, etwa durch die Umsetzung solidarischer Strukturen innerhalb der Partei, sowie parteiübergreifend zwischen demokratischen Parteien und auch auf internationaler Ebene.
Insgesamt hat das Praktikum nicht nur mein Verständnis politischer Abläufe erweitert, sondern auch zu einer kritischeren Reflexion über politische Strategien, Parteistrukturen und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung innerhalb parlamentarischer Systeme geführt. Allgemein lässt sich sagen, dass das Klima innerhalb der Fraktion und mit den Mitarbeitenden sehr hilfsbereit, solidarisch und herzlich auf mich wirkte. Die Flinta* Anteile in den Sitzungen waren sehr groß, die Vorsitzenden waren überwiegend Flinta* und es gab zwischen Abgeordneten und Mitarbeitenden keine spürbaren Hierarchien.
Abschließend lässt sich sagen, dass das Praktikum in einer sehr spannenden, aber auch bewegenden sowie einschneidenden Zeit stattfand und grundlegende Fragen aufgeworfen hat. Parteiarbeit und organisierte politische Arbeit wird immer wichtiger und notwendiger, es zeigt sich aber auch, dass dies immer stärker ein Abbild der eigenen Wertvorstellung und Glaubensvorstellung ist. Nach Beendigung dieses Praktikums kann ich mir die Arbeit in einer Institution wie dem Bundestag, der Partei die Linke oder der Rosa-Luxemburg-Stiftung vermehrt vorstellen, auch wenn mich das Arbeitspensum und die akademische Sprache sowie der teils fehlende Bezug zur Gesellschaft jedoch auch abgeschreckt haben. Ich würde mich dabei vor allem in der Zuarbeit als Referent*in oder Sachverständige sehen.
